Dieses Dokument enthält eine Vorlesung von Prof. Dr. Debora Weber-Wulff vom 6. Juli 2000 für den Kurs "Hypermedien" des Studienganges "Druck- und Medientechnik" der Technischen Fachhochschule Berlins. Die aktuelle Version und andere Informationen sind auf ihrer Homepage verfügbar.
Prof. Dr. Debora Weber-Wulff lehrt Hypermedia, Ada und Java Programmierung, Software Engineering, Compilerbau und verschiedene Internetthemen. Sie ist sehr aktiv im Bundesleitprojekt Virtuelle Fachhochschule und vielen Internet-Projekten.
Bei Hypercard gibt es Stacks (Stapel) von Cards (Karten). Eine Card ist ein Feld, in dem nicht gescrollt werden kann, alle Informationen sind auf dieser Seite sichtbar.
Eine Card besteht aus Bildern, Text und Knöpfen.
Knöpfe können auf
andere Karten springen, und auch beispielsweise Musik- oder Soundeffekte abspielen.
Bilder und Texte können auch auf andere Karten verweisen, also Links darstellen.
Später kamen Pop-Up Menüs dazu, sichtbare und versteckte Felder für Radiobuttons
und andere Elemente wurden ermöglicht.
Die Flexiblität wird vervollständigt, indem eine eigene Scriptsprache verfügbar ist,
nämlich Hypertalk.
Hypercard ist sehr beliebt, und wird von vielen für kleine Präsentationen oder
Erklärungen benutzt, viele Stacks sind online im Internet verfügbar.
Es gibt viele Bücher dazu. Ein beliebter Slogan ist:
"Programming for the rest of us."
Im Hypercard-Modell besteht eine Card aus drei Ebenen. Man kann sich diese wie durchsichtige Folien vorstellen, auf denen Elemente angebracht sind. Auf der untersten Ebene steht der Text. Darüber liegt eine Ebene, zu der Bilder angehören, dadurch können Bilder und Text gemeinsam verwendet werden. Darüber ist eine Ebene, die die Knöpfe bzw. Links enthält. Dadurch können Bilder oder Textstellen Linkquellen sein.
In letzer Zeit bekam Apple's "Quicktime" die Fähigkeit, Hypercards darzustellen. Damit können diese Stacks auch unter dem weit verbreitetem Desktop-System "Windows" der Firma Microsoft betrachtet werden.
Nachteilig an Hypercard ist, daß Links und Linkquelle auf verschiedenen Ebenen liegen. Ändert man Text, der eine Linkquelle darstellt, so müssen Änderungen auf zwei Ebenen gemacht werden. Hypercard ist nicht netzwerkfähig, der gesammte Stack muß auf einem Rechner vorhanden sein, z.B. in dem er vollständig downgeladen wurde. Es handelt sich um ein proprietäres System, daß nicht weitreichend bzw. plattformübergreifend verfügbar ist. Für große Datenmengen ist das System nicht unbedingt verwendbar.
Hyperwave ist ein High-End Produkt, das auf
den professionellen Markt abzielt, und leider entsprechend
teuer ist.
Aus Autorinnensicht wird das Verwalten einfacher, Daten können zeitabhängig angeboten werden, so daß keine veralteten Informationen erscheinen, Dokumente können nämlich automatisch nach einer Zeitspanne entfernt werden. Das System ist sicherer, da Berechtigungen verteil- und verwaltbar sind, das gemeinschaftliche Erstellen und Pflegen von Daten ist möglich.
Eine Kollektion ist eine Sammlung von Verzeichnissen (Foldern) oder Dateien (Files). Mehrere Kollektionen können die selben Dokumente beinhalten.
Eine Sequenz ist eine Liste von Elemente, die geordnet sind. Beim Einfügen erfolgt automatisch eine Neusortierung, dabei werden Nummerierungen und Links angepaßt.
Inhaltsverzeichnisse werden automatisch erstellt und aktualisiert. Dabei werden die Berechtigungen der Sicht beachtet.
Ein Dokument kann aus anderen Dokumenten bestehen. Ein Multi-Cluster erscheint wie eine einzelne Seite, so können die Daten einfach ausgedruckt werden. Dabei entstehen wiederum keine Inkonsistenzen, auch wenn Zugriffsberechtigungen fehlen.
Anhand dynamischer Parameter werden bestimmte Elemente selektiert. Dabei kann in abhänigkeit von Benutzeranforderungen entsprechender Inhalt geliefert werden. Hierbei kann zum Beispiel nach geforderter Sprache die richtige angezeigt werden, und Dateien, die in mehreren Formaten vorhanden sind, können in einem Format präsentiert werden, das vom Klienten unterstützt wird, in dem die MIME-Types (RFC 2045, RFC 2046) ausgewertet werden, die der Klient als "acceptable" vorschlägt.
Verschiedene Elemente können kombiniert werden, zum Beispiel eine Kombination von Containern und Clustern.
Elemente wie Sequenzen und Container können sich selbst beinhalten. Fehlen Rechte auf bestimmte Elemente, so werden diese nicht angezeigt und auch nicht verlinkt. Die Benutzerin merkt nicht, daß sie keinen Zugriff auf bestimmte Informationen hat, da es keine Hinweise oder Fehlermeldungen gibt. So bleiben die Seiten konsistent, selbst wenn Rechte entzogen werden oder Dokumente veraltet sind und automatisch entfernt wurden, ohne das die Autorin manuell eingreifen muß.
Die Autoren konzentrieren sich auf den Inhalt. Wie das Dokuemnt nachher konkret aussieht, ist erst einmal
uninteressant, und es kann sein, daß Informationen auf verschiedene Weisen präsentiert werden, da
sie in verschiedenen Strukturelementen verwendet werden.
Die Präsentation wird definiert, Hyperwave sorgt für Konsistenz.
Ohne die Informationen zu verändern,
kann die Präsentation angepaßt werden, und benutzerabhängig erfolgen.
Dabei können dynamische Parameter verwendet werden.
Um dieses Ziel zu erreichen, wurden Meta-Daten eingeführt. Hierbei handelt es sich um Attribute, die zu Dokumenten, Links und anderen Objekten gehören können. Beispiele für Attribute sind:
Gleichzeitiges Bearbeiten ("Cooperate Editing") wird unterstützt. Dabei ist ein Locking-Mechanismus und ein Versionsmanagement verfügbar. Dabei ist es möglich, gezielt eine bestimmte Version zu verlinken, oder die jeweils neueste. Die Konfiguration kann mit XML-DTDs verwaltet werden. Es werden Arbeitsabläufe unterstützt, bei denen Aktionen von anderen abhängen: erst nach dem Ariane fertig ist, darf Bert korrigieren, erst dann wird der Vergesetzen Christine das Dokument vorgelegt ("Release Flow").
Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, Notizen anzufügen ("Annotations"). Diese können privat sein, für die Gruppe oder ganz öffentlich zugänglich gemacht werden. Dies ist bei Containern und Dokumenten möglich, sie können sogar mit einer Position verknüpft werden.
Diskussionsforen werden unterstützt.
Selbstverständlich sind auch verschlüsselte Verbindungen über SSL/TLS (RFC 2246, The issued U.S. Patent No. 5,657,390 ["the SSL Patent"]) gefahren werden.
© Prof. Dr. Debora Weber-Wulff 2000
Format, Satz und Layout: Steffen Dettmer
Es können geringe Abweichungen von der Vorlesung auftreten. Dieses Dokument ist nicht
inhaltlich oder fachlich validiert. Einige Erklärungen wurden minimal erweitert.
Letzte Änderung: , Steffen Dettmer